Jul 17

Das hat noch ein Nachspiel – WM-Laufspiel

20140709_180400Nach dem glücklichen Sieg im Halbfinale gegen Soulrunner hieß es regenerieren, regenerieren und nochmals regenerieren. Wie notwendig ich das hatte, durfte ich am Folgetag erleben…

Lange habe ich gezögert und war mir auch nicht sicher, ob ich hier überhaupt darüber schreiben solle, habe mich jetzt aber doch dafür entschieden.

Am Mittwoch war ich natürlich, nachdem ich das Deutschlandspiel auch noch mitgenommen habe, sehr müde und erschöpft. Da berufsmäßig einige wichtige Besprechungen anstanden, habe ich mir als Nichtkaffeetrinker ganze 4 Tassen Kaffee über den Vormittag verteilt gegönnt. Im Laufe des Vormittags bekam ich einen komischen Druck im Herzbereich, machte mir aber nichts weiter daraus. Den ganz Tag über war auch mein Kreislauf nicht ok und es wurde mir immer kurz schwummrig, sobald ich vom Stuhl aufgestanden bin. Ich habe den Arbeitstag dann aber trotzdem normal zu Ende geführt.

Als ich am Abend heimkam, wollte ich mich erstmal ausruhen und mich ins Bett legen. Meine Frau und die Kids, die schließlich völlig zurecht auch ein bisschen Zeit mit dem Papa/Mann verbringen wollen, fanden das gar nicht witzig und wollten mir die Erholung erst verwehren. Als ich dann aber auspackte, war ich sehr nahe an einer Ausnahmegenehmigung ;-), hätte ich nur nichts von dem Druck auf der linken Brustseite erzählt. Bei meiner Frau, als Arzthelferin, gingen sofort alle Alarmglocken an und Sie rief Ihren Chef an, der uns vorsichtshalber zur Kontrolle ins Krankenhaus schickte.

Im Krankenhaus erst einmal von meiner Symptomatik erzählt, war es vorbei mit lustig und ich wurde einkassiert. Es bestand Verdacht, dass ich ein ernsthaftes Herzproblem haben könnte. Es folgte ein kleiner Unterschungsmarathon. Blutabnehmen, Kanüle legen, Tropf anschließen, Ruhe-EKG, Thrombosespritze und dann abschließend an die Herz-Lungen-Überwachung…

Natürlich wurde auch mir nun der Ernst der Lage bewusst und es schossen mir tausend Gedanken in den Kopf. Gleich musste ich auch an den Staffellauf denken, an welchem ich nicht gänzlich genesen teilnahm und dann eine heftige Heuschnupfenattacke hatte. „Habe ich jetzt womöglich eine lebensgefährliche Herzmuskelentzündung?“ und „kann ich nie wieder Sport machen?“, waren meine Gedanken.

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Als klar wird, dass ich 1-2 Tage mindestens für die noch folgenden Untersuchungen (Herzecho, Belastungs-EKG und Langzeit-EKG) da bleiben muss, schicke ich mein Frau auf den relativ kurzen Heimweg um die notwendigsten Sachen zu holen.

In dieser Zeit bin ich allein in einem abgetrennten Raum der Notaufnahme und da ich immer noch unglaublich erschöpft und müde bin, versuche ich mich zu entspannen, lege mich auf die Seite und schließe die Augen. Ungefähr 2 Minuten später ertönt lautstark der Alarm meines Herz-Lungen-Monitors und ich schrecke auf. Sofort kommen Krankenschwester und Arzt angerannt und nach dem rechten zu schauen. Schnell wird klar, dass das Gerät nicht auf den geringen Ruhepuls eines Ausdauersportlers eingestellt war. Mein Puls war auf 37 Schläge pro Minute gesunken und der Monitor schlägt bei unter 40 Schlägen Alarm.

Als der Monitor auf Ausdauersportler eingestellt und ich wieder alleine war, versuchte ich mich nochmals ein bisschen aufs Ohr zu hauen. Keine 5 Minuten später, das gleiche Spiel von vorn. Alarm geht an, ich schrecke auf, Krankenschwester rennt rein und ich bin hellwach. Dieses Mal hätte ich angeblich aufgehört zu atmen, was aber wohl nicht stimmte… Ich gebe mich geschlagen und werde gefragt, ob ich denn Hunger hätte… Ihr kennt die Antwort 😉

Als der erste Schreck vorüber war und ich in Ruhe mit meiner Frau noch sprechen konnte, komme ich etwas runter. Die Nacht mache ich trotz meiner Erschöpfung aber kaum ein Auge zu und gebe mich um 4:00 Uhr geschlagen und unterhalte mich ausgiebigst mit der Nachschicht und werfe einen Blick auf die Ergebnisse der Blutuntersuchungen, die aber alle möglichen Rückschlüsse zulassen.

Am Nachmittag wird endlich das hoffentlich aufschlussreiche Herzecho und Belastungs-EKG gemacht. Beim Herzecho, wird ein Mitralklappenprolabs festgestellt und beim Belastungs-EKG habe ich bei 350 Watt mit  ca 269/159 einen viel zu hohen Blutdruck gehabt. Ich muss deshalb noch ein Langzeit-EKG machen, auch obwohl ich mich inzwischen wieder fit fühle, nur der Druck auf der linken Brust ist weiterhin da. Also noch einen Tag dort bleiben.

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Langzeit-EKG

Am Freitag gegen Mittag wird mir bereits das Langzeit-EKG abgenommen und um 12:00 Uhr werde ich überraschenderweise ohne Befund entlassen. Auf Nachfrage, erhalten wir dann die Antwort, dass man die Ergebnisse unterschiedlich deuten könne. Der Mitralklappenprolabs also so gering ausgeprägt ist, dass er nicht relevant ist und der hohe Blutdruck bei der hohen Belastung von 350 Watt auch normal wäre. Nach der Information, dass ich ohne Einschränkung Sport betreiben könne und hiermit entlassen bin, bin ich glücklich und zufrieden. Meine Frau gibt sich aber mit den teilweise widersprüchlichen Aussagen nicht zufrieden und besteht auf eine weitere Untersuchung beim Kardiologen…

Das Finalspiel des WM-Laufspiels werde ich also bestreiten können, allerdings verabschiede ich mich in Rücksprache mit meiner Frau von dem Vorhaben 100 Kilometer an dem Tag zu laufen. Auch möchte, meine Frau mich die ganze Zeit sicherheitshalber begleiten, was ich übertrieben empfinde.

Am Samstag direkt nach dem Aufstehen, laufe ich als meine Familie noch schläft eine kleine 4 Kilometerrunde mit unserem Hund Amonty. Der Druckschmerz bleibt auch unter Belastung unverändert. Sicherheitshalber hatte ich natürlich ein Mobiltelefon dabei und war ständig in der Nähe von Wohnhäusern geblieben. Am Nachmittag habe ich das gleiche Spiel nochmals mit gleichem Ergebnis gemacht. Damit war auch die Begleitung bei ersten Lauf am Sonntag um 0:00 Uhr passé.

Am Montag nach dem Finale habe ich dann aufgrund eines abgesagten Termins eines anderen Patienten kurzfristig eine Termin beim Kardiologen bekommen, der nun für Klarheit sorgte. Ich habe also doch den angeborenen Mitralklappenprolabs, der aber so gering ausgeprägt ist, dass er so behandlungsbedürftig ist, wie abstehende Ohren – also gar nicht! Die Brustschmerzen sind definitiv nicht dem Herz zu zuordnen, sondern wohl eher meinem Morbus Bechterew in Form von einem Ausstrahlen von der Brustwirbelsäule.

Die Argumentation erscheint mir sehr schlüssig und nun ist auch meine Frau und Familie beruhigt und wir können uns dem Alltag wieder zuwenden.

Sport frei!
Thomas

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15 Kommentare

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    • Ron (eltrash) on 17. Juli 2014 at 18:36
    • Antworten

    So ernst die Sache ist, aber die Gesichter beim Alarm wegen des 37er Ruhepulses hätte ich zu gern gesehen, herrlich. Obwohl man zum Glück nichts festgestellt hat, wünsch ich dir gute Besserung und nimm Dir mal eine kleine Auszeit. Grüße Ron

    1. Ich glaube mein Gesicht war in dem Moment am „Ängstlichsten“….

      Die nächsten 2 Wochen machen ich aktive Regeneration, also wenig laufen, dafür radeln, Kraftsport oder schwimmen…

      Sport frei!
      Thomas

  1. Tjunge Junge – Du machst ja Sachen! Ich hab mich ganz schön erschrocken! Gebe aber zu, dass ich auch herzhaft gelacht habe, als ich von Deinem „Exitus“ bei < 40 bpm las: einfach köstlich. 🙂

    Und gelernt hab ich auch wieder was: Mitralklappenprolabs – zuvor noch nie gehört…

    1. Hatte ich vorher auch noch nie gehört und am Abend Google, Wikipedia und Co. stundenlang ausgequetscht… 😉

      Sport frei!
      Thomas

  2. Mein lieber Schwan.
    Ich bin hier der „alte Mann“!

    1. Ich bin halt besonders „reif“ für mein Alter 😉

  3. Mensch, Thomas, du machst ja Sachen! Ich kann deine Frau verstehen, meine hat mich auch nicht mehr alleine ohne Handy laufen lassen, nachdem ich mal bei einem Wettkampf umgekippt bin ;-( Aber schön, dass man bei dir – wie auch bei mir damals – nichts Ernsthaftes gefunden hat!

    1. Wie du bist mitten im Wettkampf einfach umgekippt!?! Gibt´s da einen Blogbeitrag dazu???

      1. Ja, gibt es, ist schon etwas her:
        http://www.startblog-f.de/2009/08/05/18-city-nacht-berlin-am-01082009/

        Und dann ist es sogar zwei Jahre später, etwas weniger dramatisch, noch einmal passiert:
        http://www.startblog-f.de/2011/09/05/13-mercedes-halbmarathon-in-tegel-am-04-09-2011/

        Du kannst dir also denken, dass meine Familie eine Zeit lang gebraucht hat, bis sie mich wieder guten Gewissens Wettkämpfe laufen ließ…

        1. Also weißt du immer noch nicht, was genau bei dir los ist!?! Nur, dass es scheinbar mit Hitze zu tun hat…

            • Andreas on 22. Juli 2014 at 08:29

            Ja, richtig. Gesundheits-Check inkl. Kardiologe habe ich gemacht, war aber alles soweit ok. Seitdem müssen es aber nicht immer neue Bestzeiten sein 😉

  4. Herrjeminee, Du hast mir jetzt aber einen mächtigen Schrecken eingejagt. Und ein schlechtes Gewissen dazu. Hab ich Dich doch nach meinem Viertelfinauausschied auch noch angetrieben und zu vielen Kilometern ermuntert.
    Ich freue mich riesig über den guten Ausgang. Ich weiss noch zu gut, was mir vor 2 Jahren bei einem ähnlichen Verdacht alles durch den Kopf ging. Man hat Frau und Kinder, für die man ja doch noch einige zeit da sein will oder muss. Da war schon einiges an Angst. Dir ging es wohl ähnlich, wenn ich das richtig herausgelesen habe.
    Schön, dass es halbwegs harmlos war.
    Aber trotzdem, es ist schon ein bisschen irre, wenn man noch keinen genauen Befund hat und dann trotzdem noch das Finale läuft, oder? Du bist davon abgekommen 100 Kilometer zu laufen, aha – und läufst SECHZIG, rofl…
    Meine Frau hätte mir nicht das Telefon mitgegeben – die hätte mich in den Keller gesperrt…
    Naja, ich habe Deinen Siegeswillen bei dem Spiel bewundert, frage mich aber doch, ob es unter den Umständen nicht sinniger gewesen wäre, das Finale sausen zu lassen. Es wäre ja keine Nullrunde wegen Nullbock gewesen.
    However, ich freue mich dass es Dir gut geht und nehme mir mal wieder vor, endlich den Termin für den Check beim Kardiologen zu machen, den ich seit Monaten vor mir herschiebe.

    Viele Grüsse

    Thomas

    1. Da brauchst kein schlechtes Gewissen haben, denn die Verantwortung für meinen Körper trage ich immer noch selbst!

      Was war bei dir damals los und gibt es auf deinem Blog eine Eintrag dazu?

      Ja, ich hatte ähnliche Ängste, doch eigentlich nur am ersten Tag der Einlieferung. Bereits am zweiten Tag fühlte ich mich Topfit und total fehl am Platz. Ich habe dann auch vermutet, dass ich nur aufgrund des Halbfinalspiels erschöpft war und die Druck auf der Brust von meinem Rheuma rührten.

      Ich habe natürlich immer wieder mit verschiedenen Ärzten im Krankenhaus sprechen dürfen/müssen und alle haben mir keine Einschränkung für den Sport bescheinigt, ist aber auch klar, denn beim Belastungs-EKG war die Belastung für mein Herz um einiges höher, als ich es beim Dauerlauf erreiche. Lediglich die „Standardempfehlung“ kam, dass zuviel von einem Sport genauso schädlich sein kann, wie gar nichts zu machen. Aber das ein Marathon nicht gerade zuträglich für jeden Körper ist, das ist uns allen ohnehin klar…

      Du kannst mir glauben, so sehr ich auch das Finale wollte, hätte ich ein begründetes Risiko gesehen, hätte ich das Spiel sausen lassen. Dafür wäre mir meine Gesundheit und Familie doch wichtiger!

      Den Termin beim Kardiologen habe ich nicht gemacht, um Klarheit über meinen Befund zu erlangen, für mich war die Thematik mit der Entlassung ausreichend geklärt. Ich bin lediglich meiner Frau zuliebe dort hingegangen…

      Meine Frau hat mir am Samstag nicht das Telefon gegeben, sondern ich habe mich als Sie noch schlief raus geschlichen und bin einfach gelaufen.

      An dieser Stelle trotzdem danke für deine umsichtig formulierte Kritik!

      1. Verzeih den Moralapostel, er ist dem echten Schreck geschuldet!

        Und nein, es gibt bei mir keinen Blogbeitrag dazu, das war noch vor der Zeit des Blogs.
        Beklemmungsgefühle, der berühmte „eiserne Ring“ und ein Stechen in der Brust linksseitig waren die Symptome. Eine ganze Nacht habe ich wach gelegen, konnte kaum atmen und habe mir abwechselnd gesagt „Kann garnicht sein, Einbildung, zu jung, das Herz ist top“ und mich dann gefragt „Was wenn doch?“ – das medizinische Ergebnis war dann aber positiv, es handelte sich lediglich um eine Entzündung im Knorpel-/Gelenkbereich der Rippen und des Brustbeines.

        Selbstredend weiss jeder selbst am besten (hoffentlich) was er sich zumuten kann (auch wenn man manchmal so ein bisschen unvernünftig ist).
        Ich könnte mir aber, am Rande bemerkt, durchaus vorstellen, dass auch die ungewohnte Menge Kaffee einen ordentlcihen Beitrag zur Befindlichkeit geleistet hat. Geht mir zumindest so, wenn ich wieder über tage zuviel von dem Gebräu konsumiert habe – und ich bin eine ausgesprochene Kaffeetante….

        1. Kein Problem Thomas…

          Das mit dem Kaffee dachten meine Arbeitskollegen auch, aber den Puls spricht dagegen ubd auch die Erfahrung zeigt, dass ich sehr wohl auf eine Kanne 0,7l kann ich sehr wohl gut schlafen. Soll heißen, dass der Kaffee eher keine Auswirkungen bei mir hat.

          Inzwischen ist auch der Brustdruck fast verschwunden und nur noch bei stsrker Konzentration fühlbar. Jetzt muss nur noch die Plantarsehne heilen und alles ist wieder in Butter…

  1. […] ins Bett legen konnte, doch dann kam meine Frau und durch mehrere Missverständnisse bin ich in der Notaufnahme im Krankenhaus gelandet, mit dem Verdacht eines ernstes Herzproblems. Letztendlich war ich wohl nur […]

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