Der Käsespäztle-Lauf – Feuchtwangener Kreuzganglauf

photo467Es hätte der letzte Tempolauf und in gewisser Hinsicht auch eine kleine Generalprobe für den am 12.10.14 anstehenden München Marathon werden sollen, doch was beim Feuchtwangener Kreuzganglauf rauskam, ist eher in die Schublade „Haken-dran“ abzulegen.

Ich hatte extra die Tempoeinheit am Mittwoch ausfallen lassen, um erstens für den Kreuzgangslauf am Samstag fit zu sein und zweitens nicht zu viel vor dem wichtigen Hauptwettkampf, den München Marathon, zu machen.

Terminlich liegt der Kreuzgangslauf, immer am Nachmittag des Tages der Deutschen Einheit, richtig gut. Man muss nicht extra früher aufstehen oder hat sonst Stress in der Vorbereitung. Aber gerade das wurde mir dieses Mal zum Verhängnis. Genau deshalb hatten wir meinen Bruder samt Anhang zum Käsespätzle-Essen eingeladen, um anschließend gemeinsam zum Kreuzganglauf zu gehen. Zwischen 12:00 Uhr und 15:30 Uhr (Startzeit Hauptlauf 10km) wäre eigentlich auch genug Zeit gewesen, um mit dem Essen keine Probleme zu bekommen, dachte ich zumindest. Leider hatte sich aber unser Besuch etwas verspätet und wir sind dann auch nicht sofort zum Mittagessen an den Tisch sind. So kam es, dass wir erst um 13:30 mit dem Mittagessen fertig waren und dann zum Nachtisch übergangen sind. Insgesamt waren dann aber die 2 Teller Käse-Spätzle und die 2 Teller Apfelbirnennkusper mit Vanilleeis, zwar super lecker, doch ein bisschen zuviel des Guten.

Mit prall gefüllten Bäuchen sind wir dann nach Feuchtwangen angereist, um kurz vor knapp meinen Sohn Lorenz und mein Patenkind Lilly zum Bambinilauf nachzumelden. Mit 4 Euro pro Kind ein recht teurer Spaß, zumal in Roth der Start der Bambinis kostenlos war. Meine Nachmeldung zum 30 Minuten später startenden Hauptlauf über 10km waren dagegen mit 8.- € im Verhältnis einiges günstiger.

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Um 15:00 Uhr sind wir (mein Bruder und Lilly und Lorenz und ich) an der Startlinie gestanden um die angeblichen 340 Meter, die sich später als 450 Meter herausstellten, zu laufen. Unsere Kids wollen noch nicht alleine laufen und so sind wir nebenher gejoggt. Lorenz ist fast die ganze Strecke gerannt und kam im Mittelfeld gemeinsam mit seiner Cousine ins Ziel. Als Belohnung gab es für die Bambinis eine Medaille aus Schokolade, die natürlich nicht lange um den Hals hing…

Beim anschließenden Warmlaufen, drückte mein Bauch immer noch etwas und ich ahnte schon, dass das Mittagessen, noch zu einem Problem werden könnte.

In der Startaufstellung entdecke ich mit Bernd Demmer und Martin Bräunlein zwei starke Konkurrenten und einen von der Statur schnell aussehenden Läufer. Es könnte also knapp mit einem anvisierten dritten Platz werden.

Nach dem Startschuss, sortiert sich das Feld wie vermutet ein. Vorne Bernd Demmer, dahinter Martin Bräunlein, dann der unbekannte Läufer und an vierter Stelle ich.

Das Tempo ist mit 3:25 auf den ersten 500 Metern hoch, fast schon zu hoch, ich bremse etwas und laufe den ersten Kilometer trotzdem noch in 3:32. Ab dem zweiten Kilometer laufe ich es aber konstant mit dem geplanten 3:40 Schnitt weiter. Ich mache den Abstand zum Dritten gut und kann ihn zum Ende des zweiten Kilometers einholen. Es geht aber mein Tempo mit und noch weiß ich nicht, ob ich ein 3:40 Tempo  in meinem Trainingszustand überhaupt bis zum Schluss durchhalten kann.

Kurz nachdem wir den Wendepunkt und die Wasserverpflegungsstelle passiert haben, höre ich einen unverständlichen Aufschrei. Mein Verfolger bleibt stehen und beim Umdrehen, meine ich erkannt zu haben, dass er sich die Schuhe bindet. Insgeheim lache ich mir ins Fäustchen. Sofort habe ich ein schlechtes Gewissen und kontrolliere sodann meine Schnürung, nein das passt alles…

Nach einer langen Geraden in einer Kurve werfe ich einen Blick nach hinten und sehe den Läufer nicht. Stattdessen zwei andere Verfolger, zu denen ich aber 100 Meter Vorsprung habe. Den dritten Platz läufst du locker heim, denke ich mir und erlebe keine 200 Meter später wie schnell sich ein Rennverlauf doch ändern kann. Wie aus dem Nichts bekomme ich auf der rechten Seite Seitenstechen, aber gleich so, dass ich nicht mehr tief einatmen kann. Mit Tempo rausnehmen ist da nichts, ich muss kurz stehen bleiben. Ich versuche gleich wieder weiter zu laufen, kann aber nicht richtig Tempo aufnehmen und gleich wieder anhalten, ein Stückchen gehen und werde vom Vierten und Fünften überholt.

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Ich starre während des Gehens den beiden hinterher und werde überraschend nicht weiter nach hinten durchgereicht. Ich fasse mit der Hand unter den Rippenbogen und drücke dagegen. So kann ich wieder Tempo aufnehmen und den mit Zuschauer gefüllten Start- und Zielbereich laufend durchqueren.

Direkt danach muss ich nochmals in den Gehschritt zurück und sehe noch wie der Viertplatzierte um die Ecke biegt. Ich bin hin und her gerissen, soll ich aufgehen oder weiterlaufen. Ich entscheide mich für den Kampf und nehme wieder Tempo auf.

Relativ schnell ist der Vierte wieder in Sichtweite und ich mache langsam aber stetig Meter um Meter gut. Das Seitenstechen scheint wie verflogen zu sein, solange ich nicht großartig unter 4:00 Min laufe. Kurz nach dem Wendepunkt überhole ich den Vierten und mache sehr schnell Abstand gut.

Fast an der selben Stelle, wie in der ersten Runde, kommt dann wieder ganz unverhofft das Seitenstechen. Ich schreie meinen Unmut raus und mache damit das Seitenstechen nur noch schlimmer. Sofort konzentriere ich mich auf eine gleichmäßige Atmung und komme mit Temporausnehmen und Dagegendrücken zurecht.

Genau am Ende der zweiten Runde auf der Ziellinie halte ich die Schmerzen aber nicht mehr aus und bleibe stehen, um durchzuatmen. Ich stoppe meine Garmin und hatte eigentlich schon aufgegeben. Der „Stadionsprecher“ hat diesen Moment genauestens kommentiert, was ich aber in diesem Moment überhaupt nicht wahrgenommen habe. Als ich erst nach einer gefühlten Ewigkeit vom Fünften überholt werde, entschließe ich mich doch die letzte Runde in Angriff zu nehmen. Die Zuschauer feuern mich an, was aber gegen das Seitenstechen nur wenig hilft.

Der Drittplatzierte ist bereits außer Reichweite, mit einem Schnitt zwischen 4:00 und 4:15 ist da auch nichts mehr zu machen. Ich versuche den vierten Platz wieder zu erkämpfen und hole im Laufschritt schnell wieder auf.

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Zwar kann ich im Laufschritt schnell Abstand gut machen, das ist aber, dass das Seitenstechen proportional zum Tempo steigt. Kurz nach der Altstast habe ich ihn bereits wieder eingeholt und zum Wendepunkte auch wieder gut Abstand. Nun steht lediglich das Seitenstechen zwischen mir und dem vierten Platz.

Wieder im letzten Drittel flammt das Seitenstechen etwas auf, aber ich muss das Tempo nur auf 4:15 reduzieren. So laufe ich im lockeren Tempo, recht verkrampft weiter. Auf den letzten 200 Metern läuft mein Bruder neben mir und versucht mich zu einem Endspurt zu animieren. Sein Versuch bleibt allerdings fruchtlos, denn der vierte Platz war mir genauso wie eine schlechte Endzeit sicher. Die letzten 20 Meter gehe ich über die Ziellinie. Ich stoppe meine Garmin bei 40:08, tatsächlich bin ich aber 40:15 Min gelaufen.

Frustriert setze ich mich hin und gehe gemeinsam mit meiner Familie und Bernd Wolfschläger, denn Rennverlauf durch und führe das Seitenstechen auf das Mittagessen zurück. Merke: Käsespätzle und Wettkampf ist gleich Seitenstechen und Frust… Generalprobe verpatzt – ein dritter Platz war eigentlich schon sicher – Haken dran.

Übrigens das Seitenstechen macht mir immer noch sorgen, denn am Folgetag, beim 25km Dauerlauf, machte es mir auf den ersten 2 Kilometer auch zu schaffen. Um auch am Sonntag war beim hinsetzen immer wieder zu spüren.

Sport frei!
Thomas

 

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4 Kommentare

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    • Jörg Behrendt on 9. Oktober 2014 at 22:10
    • Antworten

    Hallo Thomas,

    der Anfangsdritte muss sich am Knie verletzt haben. Er hatte sein Trikot ums Knie gebunden und hatte zu kämpfen, dass er irgendwie zurück zum Marktplatz kam. Fahrhilfe brauchte er aber noch nicht.

    1. Das ist natürlich nicht schön und ich wünsche ihm natürlich gute Besserung. Aber das es um den dritten Platz so spannend wird hat wohl keiner erwartet und Gunther Preu war in diesem Fall dann der lachende Dritte..

  1. Mensch Thomas, was für ein „Anfängerfehler“! 😉 Käsespätzle und zwei Mal Nachtisch – das ist was für die Belohnung nach dem Lauf! Vor allem Käsespätzle – das geht vor einem Lauf doch gar nicht! Nicht mal mit 2-3 Stunden Abstand! Die liegen ja wie ein Stein im Magen! 😀 Naja – nochmal wird Dir das ja mit Sicherheit nicht passieren, denke ich.

    Aber trotzdem meinen vollen Respekt, dass Du das Ding noch durchgezogen hast! Nun aber voll Konzentration auf München. Alles, alles Gute dafür und maximalen Erfolg!

    Grüße aus Köln!
    Mario

    1. Die lagen wirklich wie Steine im Magen… Vielleicht muss man jeden Fehler einmal gemacht haben, damit man auch versteht warum das so ist…

      Danke Mario.

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