Aus! Aus! Das Spiel ist aus! – Ghana ist Laufspiel-Weltmeister

20140713_115229Sehr harte und nicht nur physisch kräftezehrende 4 Wochen liegen hinter mir. Das von Christian Brenner veranstaltete WM-Laufspiel ist vorbei und ich habe das unfassbare tatsächlich geschafft und bin mit Ghana Laufspiel-Weltmeister.

Zu Beginn des Turniers habe ich mich selbst als Außenseiter eingestuft und gehofft irgendwie es doch ins Achtelfinale zu schaffen, dass ich mich am Ende im Finale wiederfand, war allerdings meinem fleißigen Kilometerschrubben geschuldet.

Mein kleiner Krankenhausexkurs hat meiner Motivation keinen Abbruch getan. Ich bin nach wie vor hoch motiviert das Finale nun auch noch zu gewinnen. Hierzu möchte ich versuchen 75km zu laufen.

Um die vorgenommenen 75km zu schaffen, wollte ich wieder um 0:00 Uhr die ersten 25km laufen, dann schlafen gehen und am späten Morgen nach einen Frühstück wohl ausgeruht 50km bis zum meinem alten Heimatort laufen. Auf halber Strecke war ein Verpflegungspunkt durch meine Frau geplant.

Es ging also quasi direkt nach der 0:3 Schlappe von Brasilien los. Ich war wieder gut vorbereitet und hatte meinen geliebten Laufrucksack von Kalenji dabei. Mit im Gepäck waren neben 2 Snickers und 1 Liter Wasser auch Regenkleidung, Ersatzklamotten, Handschuhe, Taschentücher, Geld, Ersatzstirnlampe und ganz wichtig mein Smartphone. Da ich allein lief, habe ich vorher mit meiner Frau ausgemacht, mich zur Halbzeit mal zu melden, ob alles in Ordnung wäre.

Den Weg nach Dinkelsbühl und zurück kenne ich inzwischen schon ein bisschen, sodass ich größtenteils auf die Wurmnavigation verzichten kann. Auf meinen MP3-Player habe ich neue Podcasts von Mensch, Otto!, Schmittcast und vom BR Atkuell Fitnessmagazin geladen, damit der Lauf recht kurzweilig wird.

Schon letztes Mal waren besonders geteerte Wirtschaftswege regelrecht gepflastert mit Kröten. Ich musste echt aufpassen, nicht aus versehen eine der Kröten tot zu treten. Besonders schwierig wurde es, wenn die Kröten plötzlich die Flucht ergriffen und mich zu einem extra Ausfallschritt zwangen.

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Das ich mich nicht ganz vom Lauf am Dienstag erholt hatte durfte ich relativ früh spüren. Bereits bei Kilometer 7 meldete sich langsam die leicht angeschlagene Plantarsehne an der rechten Fußsohle.

In Dinkelsbühl angekommen, machte ich erstmal meine erste Verflegungspause. Ich setzte mich auf einen Randstein und aß genüsslich mein erstes Snickers, schließlich war heute ja kein zeitlicher Druck wie am Dienstag vorhanden.

Zur Halbzeit mitten in Dinkelsbühl an der OMV-Tankstelle setzte ich das versprochene Lebenszeichen von mir ab und lief direkt weiter.

Die Kondition machte mir weniger zu schaffen, als die immer stärker werdende Ziehen der Plantarsehne. Unterwegs war ich aber dennoch im Schnitt um die 5:00 Min/km.

Dank der Podcast verging der Lauf fast wie im Flug. Das Wetter spielte auch mit, denn von Regen war nichts zu sehen und 15°C waren angenehm zum Laufen.

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So bei Kilometer 17 fing dann auch mein linker Oberschenkel immer wieder leicht an kurz zu ziehen, nicht krampfartig, sondern mehr als ob ich in einen starken Muskelkater laufe.

Bei Kilometer 20, dann die zweite genüssliche Verpflegungspause in einem Bushäuschen. Dieses Mal gab es ein Duplo. Mein Wasser neigt sich langsam auch dem Ende, aber die letzten 5 Kilometer sollte das kein Problem darstellen.

Ich merke umso länger ich laufe umso besser klappt die Fettverbrennung, denn es läuft sich immer leichter. Nur wegen der Schmerzen der Plantarsehne entscheide ich mich auch tatsächlich bei 25km Schluss zu machen und keine weiteren 5 Kilometer dran zuhängen.

Nach einem Glas Ultrasports Refresher und 2 Greif-Krampfblocker gehen ich duschen und anschließend um etwa 3:00 Uhr ins Bett. Ich schlage relativ schnell ein, aber nicht wie erhofft bis 9:00 oder 10:00 Uhr, sondern nur bis 6:45 Uhr.

Ich nutze die Zeit und gehen mit unserem Hund eine Gassirunde von 5 Kilometern. Die Plantarsehne und auch der Oberschenkel melden sich zum Ende hin leider wieder, so dass wohl nicht möglich sein wird 75km zu laufen.

Nach einem Läufermüsli (von Jan Fitschen) betreibe ich „Wundpflege“ mit Diclofenac-Schmerzgel. Dabei stelle ich fest, dass auch das rechte Schienbein direkt unter dem Knie auf leichten Druck bereits schmerzt. Es gab also 3 Möglichkeiten für einen Abbruch und nur noch eine Frage der Zeit bzw. der Kilometer.

Meinen Plan noch 50 Kilometer zu laufen warf ich in den Wind und vereinbarte mit meiner Frau einen zweiten 20-25km-Lauf nach Dinkelsbühl und zurück.

Meine Frau und unser Großer (Lorenz) begleiteten mich mit Fahrrad und Anhänger. Natürlich hatte ich wieder meine Laufrucksack, vollgepackt dabei.

Dieses Mal hatte ich direkt vom Start weg Schmerzen in der Plantarsehne. Der Oberschenkel, der mit immer wieder kurzen stark stechende Schmerzen verursachte reagierte gut auf die Kompressionstight und beruhigte sich bis Kilometer 5 fast und aber Kilometer 8 war nichts mehr zu spüren. Stattdessen schien nun langsam mein Fuß anzuschwellen. Ich hatte zum Glück elastische Schnürsenkel, die sich leicht weiter öffnen ließen.

Die gelaufene Wege waren selten geteert und für meine Frau mit Fahrrad und Anhänger teilweise sogar schwieriger zu fahren als zu laufen. So kam es auch meiner Frau ganz recht, dass wir die erste Verpflegungspause direkt bei Kilometer 10, noch im Mutschachwald, einlegten. Natürlich gab es wieder Snickers und für Lorenz Popcorn (vom Vortages Kinobesuch)…

 

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Als wir gerade aus dem Mutschachwald rauslaufen läuft uns Vereinskollege Michael Lutz, von seinen Kids auf dem Rad begleitet, entgegen. Klar, ein kleines Pläuschchen kann ich mir nicht verkneifen bevor es in Dinkelsbühl zum McDonalds geht. Der Große will unbedingt ein Erdbeermilchshake und da er mich bisher so toll angefeuert hat, bekommt er den Shake natürlich.

Wir haben gerade erst die Marathonmarke überschritten und damit auch die Hälfte der Strecke. Der ca. 13km lange Rückweg sollte nun aber erstmal ein Stückchen bergauf gehen. Immer wieder falle ich in den Gehschritt und von einer 5:00 Pace habe ich mich auch verabschiedet. Die Standard Pace war nun eher 5:30 Min/km.

Das Wetter wurde nun auch schlechter und der fing an leicht zu regnen. Da es mich leicht fröstelt, ziehe ich immer wieder kurz die angeblich wasserabweisende Asicsjacke an und kurz darauf wieder aus.

Der Rückweg führt mitunter steil bergauf auf relativ tiefen Schotterwegen. Bei den meisten Passage schiebe ich den Anhänger von hinten an, damit meine Frau nicht absteigen und schieben muss.

Mein Spann rechter Spann schmerzt inzwischen stärker als die Plantarsehne, sodass ich von Kilometer 18 (bzw. 48) an mit offenen Schuh laufe. Erstaunt klappt das sogar ziemlich gut und schafft auch Linderung.

Obwohl ich einen 3/4-Liter mehr dabei hatte, ist mein Wasservorrat auch schon verbraucht, aber meine Frau hat noch Zitronensprudel für den Fall dabei…

Die letzten 5 Kilometer fängt es dann richtig an zu regnen. Mich friert es trotz Jacke und meine Frau findet den Regen total angenehm und erfrischend. Lorenz hingegen ist im Fahrradanhänger dank PVC-Verdeck vor Regen gänzlich geschützt. Für mich ist es nun die reinste Qual und ich laufe richtig auf dem Zahnfleisch. Meiner Frau gelingt es trotz größter Bemühung nicht mehr mich aufzumuntern.

Auf den letzten 1,5km trennen sich unsere Wege, ich laufe den direkten Weg durch den Wald und meine Frau auf der geteerten Straße rechts daran vorbei. Kurz vor unserem Ziel treffen wir wieder auf einander und erreichen gemeinsam unser Ziel/Wohnhaus.

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Um 11:00 Uhr waren wir aufgebrochen und nach knapp 3 Stunden wieder zurück. Die GPS-Uhr zeigt 56km an. Ich kann keinen Schritt weiter und zwar auch konditionell. Jetzt stand neben Duschen, Carboreloading in Form von einer großen Portion Bami-Goreng an…

Am Nachmittag legte ich mir nochmals eine Stunde zum Schlafen hin und war überraschenderweise wieder motiviert. Ich ging bevor wir um kurz vor 18:00 Uhr zum Essen gingen noch eine 1,5km Runde mit unserem Hund.

Nach einer Rießencurrywurst mit Pommes, waren meine Speicher ordentlich gefühlt, sodass ich die vor dem Deutschlandspiel nochmal mit unserem Hund 3 Kilometer „wanderte“ und damit die 60 km übertroffen hatte.

Klar die letzten 10 Kilometer waren mehr als grenzwertig, doch waren Sie für meinen Finalsieg über Markus auch notwendig. Am Ende siegte ich nämlich 60:51 und habe damit das WM-Laufspiel gewonnen und darf mit inoffiziell Laufspiel-Weltmeister 2014 nennen.

Die nächsten 2 Wochen habe ich mir Regeneration verschrieben. Erstmal muss ich die erlaufene Entzündung der Plantarsehne loswerden, bevor es in die 2. Saison mit Höhepunkt München Marathon gehen kann.

Es war ein schönes aber auch kräftezehrendes Spiel, was Christian veranstaltet hat. Ob ich im nächsten Jahr wieder dabei sein werde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Ich muss die Erlebnisse der letzten Wochen erstmal verdauen…

Auch genau, da war doch noch was mit ausgelobte Preise. Der Sieger steht neben eine Mizuno Laufschuh, 2x Läufermüsli auch ein Garmin Vivofit zu. Letztgenanntes bekommt natürlich meine Frau als kleine Wiedergutmachung und Dankeschön für die vielen Freiräume und Unterstützung der letzten Wochen, ohne die der Erfolg natürlich nicht möglich gewesen wäre. Danke Schatz!

Sport frei!
Thomas

 

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5 Kommentare

2 Pings

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  1. Glückwunsch!

    1. Danke.

  2. Herzlichen Glückwunsch zu deiner Leistung. Großen Respekt!

    Und ob du nächstes Jahr wieder dabei bist? Keine Sorge, das Ganze findet erst in zwei Jahren zur EM wieder statt 😉

    1. Ich sag doch Laufen machen dumm… 😉

  3. Glückwunsch dem verdienten Sieger!

    • EM-Laufspiel 2016, ich starte für die Slowakei - Ultramarathon-Blog on 7. Juni 2016 at 18:21

    […] Am 11.Juni laufe ich gegen Wales, also gegen Thomas, das ist lustig, weil wir bereits 2014 Gegner waren . Nicht nur das, Thomas ist auch der amtierende Laufspielweltmeister. […]

    • Laufspiel: Wales gegen die Slowakei - Ultramarathon-Blog on 12. Juni 2016 at 01:03

    […] Für mich dagegen stand heute das Fernduell mit Markus, der Wales repräsentiert, auf dem Programm. Markus gewann vor zwei Jahren das WM-Laufspiel. […]

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