Erster 10er beim Rothenburger Halbmarathon

rothenburger-halbmarathon-10km-2013-005Ursprünglich war geplant in Herrieden den 10km-Hauptlauf und in Rothenburg den Halbmarathon zu laufen. Dann kam aber ein Rheumaschub und machte meine Pläne zu nichte. Immerhin ist der Schub nicht so stark wie im Winter, sodass mein Körper kurze Läufe toleriert. So konnte ich in Herrieden die 5,5km und am Wochenende in Rothenburg die 10km laufen.

Am Dienstag habe ich mich trotz Rheumaschub und sonstiger Laufpause getraut zum Vereinstraining zu gehen und was soll ich sagen, die 7 x 1000m gingen in unerwartet schnellen 3:35 – 3:45 super flott von den Füßen. Am Ende wäre noch Luft nach oben gewesen. Gut die Trabpausen von 600 Meter auf den letzten 4 x 1000m waren vielleicht ein bisschen zu lang, aber das blenden wir jetzt mal aus, es lief gut. Klar am nächsten Tag tat es wieder ein bisschen mehr weh, aber das war mir vorher schon klar.

Vor dem Lauf

rothenburger-halbmarathon-10km-2013-008In Rothenburg ob der Tauber angekommen, wie immer zu spät, hatte ich noch Glück, für den Halbmarathon war schon kein Nachmelden mehr möglich, aber für den 10km-Lauf war die Nachmeldestelle gerade noch offen.

Danach hieß es erst einmal warten und meine Vereinskollegen Andreas May, der auch über die 10km starten wollte, suchen. Eigentlich hatte ich mit Andy schon gar nicht mehr gerechnet, da er auf meine Nachrichten nicht reagierte, doch dann stand er quasi plötzlich vor mir. Somit war für ordentlich Motivation fürs Rennen gesorgt.

rothenburger-halbmarathon-10km-2013-012Bisher war ich immer schneller als Andy, doch im Gegensatz zu mir, hat er einen Leistungssprung gemacht und müsste mir mindestens ebenwürdig sein. Beim gemeinsamen Einlaufen, wollte er dies nicht zugeben und mich als Hase nutzen (hinter mir herlaufen).

Die Zeit bis zum Start verging schnell und von den Mitläufern war mir nur Maxi Nichterlein als schnellerer Läufer bekannt. Aber der Rothenburger Halbmarathon hat ein großes bis Würzburg reichendes Einzugsgebiet, sodass ich mir sicher war, dass da noch der ein oder andere schnelle Läufer dabei wäre.

Bereits kurz vor dem Start des Halbmarathon viel aufgrund des Windes eine Fahnenstange ins Starterfeld direkt auf den Kopf eines Läufers. Er startete trotzdem, sah aber ein bisschen benommen aus. Kurz vor dem Start viel dann die zweite Fahnenstange in den Startbereich. Dieses Mal traf es zum Glück niemand. Nun endlich baute der Veranstalter die beiden Fahnenstangen der Sponsoren ab, was uns beruhigt in die Startaufstellung gehen lies.

Der Lauf

rothenburger-halbmarathon-10km-2013-019Wenige Sekunden vor dem tatsächlichen Start tauchte dann noch Jürgen Seibold auf. Damit war für mich bereits im Vorfeld der Sieger bekannt und ich sollte recht behalten.

Das Wetter war bereits um 10:30 bei schwül warmen 22°C, was mich aber nicht weiter zur Besorgnis führte, denn auf der etwas profilierten Laufstrecke sind keine Bestzeiten drin. 80 Höhenmeter hören sich zwar nach nicht so viel an, wenn man aber weiß wie diese zustande kommen, denkt man anders darüber.

rothenburger-halbmarathon-10km-2013-027Wir starteten von der ersten Reihe und Andy lief vom Start weg direkt hinter mir. Der erste Kilometer ging in flotten 3:27 Minuten. Wir hatten uns recht weit vorne positioniert und liefen auf Platz 6 und 7 durch die Altstadt Rothenburgs.

Der zweite Kilometer führte raus aus der Altstadt rein in ein Wohngebiet. Auch der zweite Kilometer ging noch in schnelle 3:37 Minuten. Auf diesen Kilometer wurden wir durch einen Läufer eingeholt und holten aber selbst noch einen Läufer ein, sodass wir weiterhin auf Platz 6 und 7 liefen.

Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass ich dieses Tempo nicht werde halten können, denn es war bereits in diesem frühen Rennverlauf sehr anstrengend. Das Tempo ging etwas zurück.

rothenburger-halbmarathon-streckeAn der ersten Versorgungsstelle am Anfang des dritten Kilometers schnappte ich mir einen Becher Wasser zur Kühlung. Ein unterschätzter Geheimtipp. Wenn man gut hydriert an den Start eines 10km-Laufes geht, braucht man nichts während des Rennens trinken. Bei den Laufgeschwinkigkeiten ist es ohnehin nur schwer möglich und wenn dann eher in hömeopathischen Mengen als Alibifunktion. Viel sinnvoller ist es das Wasser über den Kopf oder Shirt zu schütten. So sparst du Energie der Schweißproduktion, die in deinen Füßen gerade eher gebraucht wird.
Keine 20 Meter nach der Versorgungsstelle zieht Andi an mir vorbei. Er scheint deutlich fitter zu sein. Aber jetzt bereits ziehen lassen kommt gar nicht in Frage. Nun sollte meine besondere Qualitäten zum Vorschein kommen, nämlich meine Wadenbeisermentalität. Ich lies Andi zwar vorbei aber nicht mehr aus den Augen…

Zu dieser Zeit liefen wir noch in einer Vierergruppe. Andy zog kurz darauf an dem auf Platz 5 laufenden Läufer vorbei, der aber weiterhin in unserer Gruppe blieb. Ich zweifelte immer mehr  das Tempo halten zu können und wurde von hinten nochmals überholt und lief nun als Vierter (Gesamt 8) in dieser Gruppe.

Nachdem die langgezogene Aufwärtspassage vorbei war, löste sich Andy von der Gruppe ab. Nun hieß es beisen und auch ich zog an den beiden Läufern vorbei und versuchte auf Andy wieder aufzuschließen. Es dauerte fast einen ganzen Kilometer bis ich wieder an Andy dran war.

rothenburger-halbmarathon-tempo

Inzwischen haben wir weit über die Hälfte geschafft und ich lief im Windschatten von Andi. Obwohl von Windschatten kann eigentlich nicht die Rede sein, denn Andi warf keine Windschatten, obwohl er deutlich größer als ich ist und ich direkt hinter ihm lief. Vielleicht lag es daran, dass der Wind schräg von der Seite wehte.

Hinter uns klaffte bereits ein größere Lücke, aber vor uns ein noch größere. Es waren nur noch Halbmarathonis in der Nähe, die wir bereits seit dem dritten Kilometer überholten. Verwechselungsgefahr bestand aber nicht, denn dazu waren die Laufgeschwindigkeiten einfach zu unterschiedlich.

Es verdammt hart Andy zu folgen. Selbst die aller kleinste Tempoverschärfung hätte ich nicht mehr gepackt. Aber der härteste Teil der Strecke lag nun in Sichtweite. Bei Kilometer 7 kommt ein Anstieg von 40 Höhenmetern, verteilt auf 700 Metern Laufstrecke und dann noch in tiefen feinen Kies. Da war die Vorfreude groß…

Bevor es aber den „Berg“ hochgeht, nochmals an der Verpflegungsstelle einen Becher Wasser über mein Haupt geschüttet. Ich habe mich weiter fest an Andy verbissen und versuche nur auf dessen Füße zu starren, den er Anblick der nie enden wollenden Anstiegs ist sehr demotivierend. Bis ca. 3/4 des Anstiegs kann ich die Vorgabe von Andy halten, dann fällt es mir sehr schwer. In dem Moment merke ich, dass wir die ganze Zeit neben einer Spur mit nicht zu tiefen Kies liefen. Ich bin sofort rüber gewechselt, habe dies aber Andy nicht zugerufen. Ich war in dem Moment einfach zu sehr mit mir beschäftigt.

rothenburger-halbmarathon-rundenzeitenOben angekommen, bin ich immer noch an Andi dran, der das Lauftempo gleich wieder anzog und mir keine Zeit zur Erholung lies. Langsam wurde mir klar, dass ich das Tempo nicht bis zum Ende halten kann. Trotzdem gehe ich solange mit wie es nur geht.

Nun sind schon 8 Kilometer geschafft, aber beim nächsten Anstieg kann ich nicht mehr Andis Tempo halten und lasse abreisen. Nach Ende des Anstiegs hat Andi einen Vorsprung von 40 Metern raus gelaufen.

Nun sind es noch gute 1,5 Kilometer bis zum Ziel. Beim Gedanken an die bereits gelaufene Strecke und ans Ziel steigt meine Motivation wieder an und ich kann den Abstand zu Andi konstant halten. Am letzten Verpflegungspunkt nochmals einen Becher über mich geschüttet und weiter gehts.

Endlich tönt der Rundenton meiner Garmin und läutet damit den letzten Kilometer ein. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken angefreundet, dass Andy mich besiegt hatte, doch dann sehe ich ihn 800 Meter vor dem Ziel kurz in eine Gehpause fallen. Er lief gleich wieder weiter. Er hatte zwar immer noch gute 30 Meter Vorsprung, trotzdem war mir in diesem Moment klar, dass ich ihn auf jeden Fall noch packen werde.

Der Endspurt

Andy lief sofort wieder im gleichen Tempo wie ich, aber nur ein paar Meter weiter die nächste kurze Gehpause. Ich kommt auf bis 15 Meter ran. Andy läuft wieder an und fällt wieder in den Gehschritt.

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In diesem Moment tat mir Andy leid. Ein so gutes Rennen ist er bisher gelaufen, war mir ein top Tempomacher und dann zum Dank ihn auf den letzten Metern zu verblasen?!? Schließlich bin ich mir sicher, dass ich bei weitem nicht diese Tempo gelaufen wäre, wenn er nicht vor mir gewesen wäre… Nein, ich muss Andy motivieren weiterzulaufen und rufe ihm von hinten auflaufend zu: „Auf geht´s weiter! Keine Gehpause!“ Andy läuft an und brabbelt irgendwas unverständliches. Egal! Wir laufen nebeneinander weiter Richtung Ziel. Ich schreie Andy zu, jetzt musst du beisen und sage die zu laufenden Meter im 50 Metertakt an. Andy stönt immer lauter hält aber das Tempo konstant hoch.
laufpokal-schuh100 Meter vor dem Ziel frage ich Andy, ob wir gemeinsam ins Ziel laufen oder ob er einen Endspurt machen will. Er stönt nur „keinen Endspurt!“. Ich nehme Andy´s Hand und genieße dem gemeinsamen Zieleinlauf. Wir belegen in einer Zeit von 39:05 Minuten den 5 und 6 Gesamtrang und in unser Altersklasse den 2. und 3. Platz. In der Wertung erscheint Andy auf Platz 5. und ich demnach auf Platz 6, was mir aber egal ist, denn das gute Gefühl der gemeinsam erbrachten Leistung überwiegt. Natürlich habe ich mich über den schönen Pokal für die Altersklassenplatzierung sehr gefreut.

Mein Fazit

Ähnlich wie letztes Jahr wieder ein sehr gelungenes Event. Rund um den Lauf wird in Rothenburg immer was geboten. Besonders toll finde ich, dass für Kids immer was kostenlos angeboten wird. Im letzten Jahr war das eine aufblasbare Rießenrutsche und in dieses Mal eine Hüpfburg. Aber auch die Läufergeschenke, eine Trinkflasche und ein kleines Duschgel, finde ich Klasse. Es ist einfach ein Event, bei dem das Gesamtkonzept passt und das ohne amtlich vermessener Strecke.

Ich war jetzt das zweite Mal dabei und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr, dann hoffentlich wieder beim Halbmarathon.

Sport frei!
Thomas

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5 Kommentare

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  1. Wow, ein sehr feiner Zug von Dir, gemeinsam ins Ziel zu laufen.
    Aber was hatte denn Andi auf den letzten Metern für ein Problem?

    btw. 39 min eine Wahnsinnszeit. Der Bericht ist auch wieder sehr spannend geschrieben. Danke, dass du auch deine Gedanken während des Lauf immer mit beschreibst. Da fiebert man beim Lesen immer richtig mit.
    Grüße

    1. Ja ganz klar, im fehlte die mentale Stärke. Sein Trainingsstand ist etwas besser als meiner, was ich aber mit mentaler Stärke am Ende relativ locker ausgleichen konnte. Schließlich konnte er, mit entsprechender Motivation, das hohe Tempo ohne weitere Gehpause bis ins Ziel beibehalten. Ich kann ja nur von meinen Gedanken auf andere rückschließen. Deshalb denke ich, dass es einfach ein bisschen zu stark ans Aufgeben bzw. an eine Gepause gedacht hat. Den Gedanken darf man nicht aufgekommen lassen und am besten bestarft man ihn gleich mit einer kleinen Tempoverschärfung…

      Vielen Dank Ron!

      Sport frei!
      Thomas

    • volkslaeufer on 21. Juni 2013 at 17:07
    • Antworten

    Glückwunsch zum Altersklassenpokal. Habe gerade in meinen Unterlagen nachgeschaut, dass ich bei meiner „Bestzeit“ (1997) auf meiner Lieblingsstrecke in 39:00,1 Minuten, einer flachen Strecke ins Ziel durchlief. Fing die ersten Kilometer in einem 3:30 Minuten Tempo an, dass ich leider bis ins Ziel nicht durchhalten konnte. Ich erreichte als vierzigster von 225 das Ziel. In meiner Altersklasse wurde ich neunter.
    Der Sieger gewann in 31:55 Minuten.
    Ich hoffe, dass dein Rheuma schon wieder weniger geworden ist.

    sportlichem Gruss

    Peter

    1. Boah, hat es dich nicht unglaublich geärgert die 39:00 Marke nicht geknackt zu haben???

      Ich habe gerade festgestellt, dass der Schub inzwischen genau 4 Wochen andauert. Leider ist überhaupt keine Besserung in sicht. Naja, momtan lohnt sich dafür die Crossrennrad-Anschaffung vom Sommer letzten Jahres.

      Sport frei!
      Thomas

  2. Herzlichen Glückwunsch, Thomas! Sehr faire Geste, den Andi mit ins Ziel zu nehmen.

    Grüße aus Köln!
    Mario

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