Der Berg ruft – Berglauf der Tour de Hesselberg

Einer der wenigen absolut festen Termine in meinem Wettkampfplaner war der Berglauf im Rahmen der Tour de Hesselberg. Nun sollte man meinen, dass sehr gut vorbereitet in diesen Berglauf gegangen bin. Doch dies war leider nicht der Fall. Ich habe es nicht einmal geschafft die Strecke auch nur einmal im Training abzulaufen und auch sonst bin ich absolut bergunerfahren. Lediglich ein regenerativer Lauf auf den Hesselberg hatte ich gemacht.

Vor dem Lauf

Für mich hieß es bereits um 13:30 Uhr auf zum Sportplatz von Ehingen um dort bei den Vorbereitungen des Laufes zu helfen. Konkret hieß das, mit Peter und Willi die Strecke markieren. Dabei habe ich den lockeren Job bekommen, das Auto mit dem Markiermaterial zu fahren. Das hat mir dann sogar Spaß gemacht und war um 16:30 Uhr auch erledigt.

Da der Lauf erst um 18:30 Uhr startete bin ich nochmals nach Hause gefahren und habe nachdem ich noch einen Snack verspeist hatte meinen üblichen Mittagsschlaf (25 Minuten) nachgeholt.

Gut ausgeruht und bereits etwas nervös, war ich dann um 18:00 Uhr wieder am Sportgelände in Ehingen vor Ort. Die meisten Läufer waren bereits angereist und beim Warmlaufen. So reihte auch ich mich nach einem kurzen Plausch mit den Vereinkollegen Rainer Kirsch, Lothar Liebenstein, Thomas Richter und Bernhard Kisch in die Reihe der Warmläufer ein.

Beim Warmlaufen traf ich dann den vielleicht (hoffentlich) bald für den TSV Dinkelsbühl startenden Andreas May.

Die Konkurrenz hatte ich bis zum Start lokalisiert und machte mir nunmehr nur noch Hoffnungen auf einen Platz unter den Top 10. Aber wichtiger war es mir gleich eine Reihe von Läufern zu schlagen. Die Liste meiner „Holger Meier“ war lang, wie es Peter Greif sagen würde.

Zuerst war noch ein direktes Duel zwischen Lothar Liebenstein offen. Ich hatte ihn beim Crosslauf in Dentlein am Forst auf der Zielgeraden überrascht und gewann durch einen beherzten Zielsprint. Er meinte später, dass er mich beim Zielsprint geschlagen hätte, hätte er gewusst, dass ich von hinten komme…

Auch Jan Haberzettl war vor Ort. Gegen ihn habe den ich beim 5000m-Lauf in Ansbach beim Zielsprint das nachsehen gehabt.

Dann waren da noch die etwa gleichstarken Vereinskollegen vom TSV Heilsbronn Günter Schuh und Wilhelm Maußer. Einer bzw.  beide zu schlagen wäre das Sahnehäupchen gewesen.

Video vom Lauf

Der Lauf

Pünktlich um 18:30 Uhr schickte uns der Bürgermeister von Ehingen auf die Laufstrecke, die sehr moderat auf dem ersten Kilometer auf einem betonierten Flurweg begann.

Das Anfangstempo kam mir erst moderat vor. Ich dachte die Meisten werden wohl schon so ihre Erfahrungen bei diesem Lauf gemacht haben, doch ein Blick auf die Uhr offenbart eine 3:30 Pace. Wie immer halt – zu schnell… Die Pace pendelte sich allerdings bis Kilometer 1,5 ein und wurde zunehmends langsamer.

Ich war in einer Gruppe mit Jan Haberzettl und Lothar Liebenstein unterwegs, als ich sah, dass die Gruppe um Günter Maußer immer mehr Abstand gewann. Günter Maußer oder den zu diesem Zeitpunkt hinter mir laufenden Günter Schuh wollte ich versuchen zu schlagen. Also habe ich das Tempo kurzerhand verschärft und bin zu ihm aufgelaufen.

Es kostete zwar etwas Kraft, da es bereits jetzt bergauf ging, doch taktisch gesehen, war es eine prima Entscheidung, denn Jan und Lothar waren damit abgehängt. Kurze Zeit später schloss noch Günter Schuh auf die Gruppe auf.

So liefen wir ein für mich unglaublich hohes Tempo bergauf. An Führungsarbeit war nicht im entferntesten zu denken. Ich versuchte einfach nur in der Vierergruppe zu bleiben, in welcher auch noch ein Vereinskollege Bernhard Kisch lief.

Günter Schuh und Wilhelm Maußer legten ein sagenhaftes Tempo vor, dass Bernhard Kisch, den mir bisher unbekannten Andreas Knödler und ich nicht halten konnten. Bereits vor Kilometer 3 musste ich die letzten paar Meter nach oben gehen.

Ich lief sofort auf Bernhard auf, der mich am Berg die letzten paar Meter abgehängt hatte und überholte ihn, als es wieder bergab ging. Es war echt frustrierend. Kaum waren wir oben, ging es wieder bergab und das gleich 60 Höhenmeter um dann gleich wieder den Berg zu erklimmen.

Ich hatte mir einen Vorsprung von 20 Metern zu Bernhard Kisch und Andreas Knödler erlaufen, den ich allerdings am Berg wieder verlor. Zwar konnte ich den Rückstand von 5 Meter kurz vor Ende der Bergaufpassage wieder in einen 2 Meter-Vorsprung umwandeln, doch kostete mich dies so viel Kraft, dass Bernhard mich gleich wieder einholte.

Die 100 Meter auf dem Berg waren zur Erholung nicht ausreichend und schon ging es wieder bergab und zwar steil. „Die nächsten 500 Meter geht’s nur runter oder geradeaus – Durchatmen.“ Rief uns Vereinskollege Peter Wastensteiner zu. Nichts lieber als das, dachte ich mir uns lies es laufen. Mein Laufen lassen viel deutlich schneller als das von Bernhard aus. So dass ich ihn nach 50 Meter an einer geeigneten Stelle wieder überholte.

Das „Katz-und-Maus-Spiel“ wollte scheinbar nie enden. Denn wo es runter geht, geht es auch irgendwann wieder hoch. Bernhard und Andreas Knödler ließen nicht lange auf sich warten und überholten dieses Mal deutlich früher. Andreas nutzte die Chance und lief einen Vorsprung von 20 Meter heraus, während ich mich an Bernhards Fersen hängte.

Und schon wieder ging es steil bergab und so zog ich wieder einmal an Bernhard vorbei. Am Ende der Passage war eine 90° Kurve. Die Streckenposten Thomas Richter und Rainer Kirsch, die 20 Meter weiter oben standen, horchten kurz auf, als sie mich kurz aufschreien hörten. Die Kurve hatte es in sich, denn ich verlor das Gleichgewicht, konnte mich aber an einem Busch abstützen. Meine Knie bekamen ein paar Kratzer ab und die Startnummer hing nunmehr noch an 2 anstatt an 4 Sicherheitsnadeln. Sonst war aber nichts passiert.

Thomas und Rainer teilte mir noch mit, dass ich maximal 2 Plätze noch gut machen könnte, doch zu diesem Zeitpunkt war ich kräftemäßig schon ziemlich am Ende und wollte den Platz vor Bernhard einfach nur halten. Kurz musste ich nachschauen, wo es weiter gehen sollte. Rainer sagte dann salopp: „Geradeaus…“ Ich weiß zwar nicht wie steil es hier bergabging, doch so eine steile Passage bin ich zuletzt in Kindertagen gegangen, aber nicht gelaufen… Und natürlich gab es am Ende ein 90° Kurve, doch dieses Mal konnte man sich an einem Baum festheben um die Kurve besser zu kriegen.

Kurze Erholung, denn es lief mal Ausnahmsweise geradeaus auf stark verwurzelten Trampelpfaden. Nach vielleicht 200 Metern war es aber so weit – der letzte Anstieg. Der serpentinenartige Anstieg hatte es brutal in sich. Natürlich verlor ich wieder einmal meinen erlaufenen Vorsprung zu Bernhard. Meine Knie waren aus Butte und ich hätte einmal fast das Gleichgewicht verloren und wäre Rückwärts umgefallen. Von höllisch brennenden Oberschenkeln zu sprechen, wäre ein glatte Untertreibung. Wir haben es dann auch rauf geschafft.

Ich war wirklich am Ende und versuchte verzweifelt, mich an Bernhards Fersen zu hängen, denn ich war überzeugt, dass bei einem Zielsprint ich bessere Karten haben würde, obwohl Bernhard mich bisher immer am Anstieg aufgeholt hatte.

Er lief trotzdem einen kleine Abstand von 5 Metern heraus, doch meinem Kraftakt am Schlussspurt-Anstieg hatte er nichts mehr entgegen zu setzten und so lief ich einen hervorragenden 9. Platz heraus. Gerade noch 3 Sekunden haben mir auf Andreas Knödler gefehlt, doch die waren heute einfach nicht mehr drin.

Nach dem Lauf

Im Ziel brach ich erst einmal zusammen und schnappte nach Luft. Ich hatte mich aber schnell erholt, gratulierte Andreas Knödler, klatschte noch die Besiegten (Lother Liebenstein, Jan Haberzettl und Bernhard Kisch) ab und trug mich ins Bergbuch ein. Danach noch ein bisschen was Trinken und Essen, bevor ich mit Lothar und Andreas May mich ans Auslaufen in Richtung Sportzentrum Ehingen machte. Mein linker Knöchel mochte das Bergabauslaufen überhaupt nicht und schmerzte. Lothar und Andreas waren schon zwar schon etwas genervt von meinem gejammere vielleicht deshalb auch so schnell bergab.

Beim Duschen unterhielt ich mich mit den Erst- und Zweitplatzierten (Kai Reißinger und Marcel Staudacher), die aber auch trotz Ihrer schier unglaublichen Zielzeiten auch einzelne Passagen gingen anstatt zu laufen.

Die Zeit bis zur Siegerehrung wurde dann genutzt um die reichhaltigen Verpflegungsmöglichkeiten zu nutzen. Neben einer Bratwurst hat es mir besonders das Küchenbuffet angetan. So das ich mal eben 4 Kuchen aß…

Leider gewann ich den erhofften Ballon-Freiflug im Wert von 185.- € nicht, doch gab es adäquate andere Entschädigung bei der Tombula. So dass sich das lange Warten bis zum Ende der ausführlichen Siegerehrung gelohnt hat.

Reinhard Joas, der Urvater des Hesselberglaufes, übergab sein Amt als Veranstalter an den TSV Dinkelsbühl ab. Der hat bereits angekündigt, die Strecke nächstes Jahr zu entschärfen. Es sollen die Bergabpassagen gestrichen werden um den stagnierenden Teilnehmerzahlen entgegen zu wirken. Ich persönlich finde das sehr schade, denn der Lauf hatte ein bisschen was exklusives, denn „einfach kann ja jeder“…

Klar werde ich nächstes Jahr wieder dabei sein.

Sport frei!
Thomas

Siehe auch:

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3 Kommentare

3 Pings

    • eltrash (Ron) on 14. August 2012 at 13:48
    • Antworten

    Einfach nur Wahnsinn. Beim Lesen fühle ich richtig mit Dir. Es müssen unglaubliche Anstrengungen sein, gerade wenn man sich selbst immer so hohe Ziele setzt. Eine krasse Willensstärke hast du, das ist im Vergleich zur Konkurrenz dein zusätzlicher Pluspunkt. Es macht schon sehr viel aus, wenn der der Körper nicht mehr kann, aber der Kopf noch will. Aber Du kennst deinen Körper mittlerweile innen und auswendig und kannst auch immer gut abschätzen, was machbar ist und was ist.

    Respekt

    LG
    RON

      • eltrash (Ron) on 14. August 2012 at 15:07
      • Antworten

      …was machbar ist und was nicht. (sollte es natürlich heißen)

      1. Danke Ron.

        Zum Thema Willensstärke habe ich mal ein Interview von einem erfolgreichen Triathleten gelesen (Namen fällt mir gerade nicht ein), in welchem folgendes Zitat viel: „…oft gewinnt am Ende nicht der Ausdauerndste, sondern derjenige der bereit ist mehr als die anderen zu leiden.“
        Aus diesem Zitat hole ich sehr viel Kraft und Motivation im Wettkampf. Schließlich kommt Leidenschaft ja von leiden… 😉

        Sport frei!
        Thomas

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  2. […] zu bewältigen sind. Im Nebensatz erwähnt Reinhard, dass der Berglauf etwas schwieriger als der Hesselberglauf sei, welchen ich ja bereits […]

  3. […] Bevor es auf das Bergplateau hoch ging, blickte ich nochmal um mich und war erstaunt, dass mein Vereinskollege Bernhard Kisch plötzlich meine Verfolgergruppe einkassierte und schnell auf mich aufschloss. Noch bevor ich das Plateau erreichte, hatte er mich einkassiert und ich versuche an ihm dran zu bleiben. Schließlich wusste ich, dass die meisten Höhenmeter nun hinter uns lagen und Bernhard bergab mir gegenüber klar unterlegen ist (siehe Hesselberglauf 2012). […]

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