8. Ansbacher Läufertag – 5000 Meter auf der Bahn

Ursprünglich wollte ich die 5000 Meter im heimischen Stadion beim Steffi-Fuchs-Gedächtsnissportfest in Dinkelsbühl am 28.06.2012 in Angriff nehmen. Allerdings hatte meine Mutter an diesem Tag genau ihren 60-sten. So fand der Lauf leider ohne mich statt.

Am Mittwoch den 18.07.2012 fand allerdings in Ansbach der 8. Ansbacher Läufertag statt, bei welchem die 800 und die 5000 Meter angeboten wurden. Natürlich habe ich mich gern als einziger Vertreter des TSV Dinkelsbühl erbarmt die 5000 Meter in Angriff zu nehmen.

Vertreter des TSV 1860 Dinkelsbühl

Gemeldet wurde ich von Franz-Josef Heller mit einer Zielzeit von 18:30 und durfte bzw. musste damit in der zweiten stärkeren Gruppe laufen. Die Klasse der angetretenen Teilnehmer konnte man anhand der Startliste erkennen, auf welcher 4 Läufer Zeiten unter 17:00 Minuten gemeldet haben. Lokalmatador Thomas Czernicky hatte „nur“ eine 17:15 gemeldet!

In Ansbach am Theresien-Gymnasium angekommen, herrschte eine lockere und entspannte Atmosphäre und so kamen einige Läufergespräche zustande. Beim Warmlaufen konnte ich mich unter anderem mit Thomas Raab, Ingo Hansch und Günter Schuh persönlich bekannt machen.

Der erste Start

Der Start ging erstmal in die Hose. Ich war sehr angespannt und die Zeit zwischen „Auf die Plätze“ und Startschuss war einfach zu lange und irgendwann war meine Vorlage so weit, dass ich noch vor dem Startschuss zuckte. Trotzdem liefen alle und ich erst bei Startschuss los. Doch dann, rief der Richter laut „Stopp, stopp, alle wieder zurück“. Mein Herz ging in die Hose, er hat es gesehen und disqualifiziert mich nun zurecht, so zumindest meine Gedanken. Doch glücklicherweise weit gefehlt. Das Signal der Startpistole wurde nicht übertragen und somit lief die Zeit nicht. Den Fehlstart nahmen alle recht locker und gingen wieder in die Startaufstellung.

Der zweite Start
Beim zweiten Startschuss lief dann auch alles glatt und wir rannten los. Dieses Mal startete ich von der Mitte der Startlinie und bekam einen Eindruck, von dem bisher nur von anderen angedeuteten Startgedränge. Schulterboxen mit Jan Haberzettl, ein anderer Läufer trat mir von hinten an die Ferse und dann überholte mich noch einer und scherte gefühlte 5cm vor mir ein, sodass ich auch noch abbremsen musste.

Nachdem das Gedränge vorbei war versuchte ich meinen für diesen Lauf ausgesuchten Gegner Jan Haberzettl vom TuS Feuchtwangen hinterher zu laufen. Doch recht bald merkte ich, dass die Läufer vom TuS alle die Startkrankheit haben und viel zu schnell auf den ersten Metern unterwegs sind. Denn meine Garmin (ich weis, das die auf der Bahn nicht exakt ist) zeigte eine Pace von 3:10 an. Angepeilt habe ich eine Pace von 3:35 bis 3:40 maximal.

Also lies ich mich nach 200 Metern zurückfallen und fand mich nach 600 Metern auf dem vorletzten Platz wieder, gefolgt von Thomas Raab. Mein Blick auf die Uhr sagte aber, dass meine Pace absolut OK mit 3:30 war. Demzufolge musste die Anderen viel zu schnell unterwegs sein, so zumindest meine Vermutung.

 

Die Aufholjagd
Die ersten 3 Runden blieb ich auf dem vorletzten Platz, bis die einzige Frau in unserer Gruppe anfing zu schwächeln. Innerhalb von einer Runde habe ich die  15 Meter Vorsprung aufgeholt, sie überholt und 10 Meter Vorsprung heraus gelaufen.

Der nächste Läufer war mir schon Blick und ich arbeitete mich in den folgenden 2 Runden langsam an ihn heran und überholte auch ihn ohne Probleme.

Nun dachte ich, ich solle wohl recht behalten und die brechen jetzt Einer nach dem Anderen ein. Doch weit gefehlt. Jan Haberzettl führte immer noch die 4-köpfige Läufergruppe mit Günter Schuh, Wilhelm Mauser und Kurt Weinmann an, die den Abstand sehr konstant auf mich hielten.

Video vom kompletten Rennen

Bernd Wolfschläger der als Zuschauer zusammen mit meiner Frau (die wieder filmte) stand, sagte netterweise im die Zeiten ein. Leider konnte ich damit nichts anfangen, da ich mir vorher nicht die Mühe gemacht hatte mir die gewünschte Rundenzeiten auszurechnen und mein Kopf es im Rennen nicht mehr zuließ.

Es müsste so etwa die 8 Runde gewesen sein, als Jan Haberzettl anfing zu schwächeln und fortan nur noch als Schlusslicht dieser Gruppe weiter lief. Ich lief in den folgenden Runden fast wie weggetreten, also ich schaltete alles um mich herum aus und konzentrierte mich nur auf meinen Weg. Ich nahm nichts mehr auf, keine Anfeuerungen, Laufstil und Atmung waren egal und auch die anderen Läufer sah ich nicht mehr.

Scheinbar sollte meine Chance noch kommen, denn Jan verlor immer mehr an Boden auf seine Gruppe und auch mein Abstand zum ihm war bis in Runde 10 auf etwa 15 Meter geschrumpft.

Ich wusste, das Jan wahrscheinlich im Sprint stärker sein würde als ich. Deshalb müsste ich eigentlich bereits jetzt angreifen, doch ich war schon zu müde und fand keine Motivation. Kurz dachte ich darüber nach, mich an die ersten beiden Läufer zu hängen, die uns zu Beginn von Runde 11 überholten, doch deren Tempo war so hoch, dass es einem Schlusssprint gleichkam. Trotzdem arbeitete ich mich bis zur letzten Runde nochmal auf 10 Meter an Jan heran.

Der Schlussspurt
Während der 3 und 4-platziert von der „Mannschaft ohne Namen“ quasi auf der Ziellinie an mir vorbei ziehen, wird endlich die letzte Runde auch für uns eingeläutet. Sofort erhöhe ich das Tempo um auf Jan vollends aufzuschließen. Bis zum Ende der Gegengeraden gelang mir dies mit meinen letzten Kräften auch. In der Kurve wollte ich ihn nicht überholen, da dies aufgrund des längeren Weges schwieriger und Kraftverschwendung wäre.

Also habe ich bis zum Ende der Kurve gewartet um gleich am Beginn der Zielgeraden den Schlusssprint zu starten. Doch Jan, der deutlich besser auf die Mittelstrecken trainiert als ich, witterte meinen Angriff und setzte ebenfalls zum Endspurt an. Als er merkte, dass mein Sprint etwas schneller war, schaltete er seinen Turbo ein. Ich hatte selbst den Turbo noch hinzugeschaltet und auf die Zähne gebissen, doch dieser reichte nicht und ich musste mich auf den letzten Metern noch geschlagen geben und kam mit 0,37 Sekunden Rückstand in 18:16,33 ins Ziel.

Das Erfolgserlebnis gegen Jan zu siegen, blieb mir zwar verwehrt, doch der bittere Nachgeschmack wurde durch die gute Endzeit aufgehoben. Scheinbar hat die Sommerregeneration, in der ich mich eigentlich noch befinde, meiner aktuellen Leistungskurve nur einen kleinen Knick verpasst.

Beim Auslaufen schloss ich mich den grandiosen Läufern von MON (Mannschaft ohne Namen) an und quetschte diese ein bisschen aus. Auch mit „Altmeister“ Stefan Haider, der von meiner Form so begeistert ist, lief ich noch ein kleines Stückchen auf dem Rasen.

Wie geht es weiter
Ich bin absolut zufrieden und werde auf dieser Bahn am 1. September 2012 bei Jörg´s Birthday Race über 3000m wieder zu sehen sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dort noch mehr Topläufer der Region vertreten sein werden.

Der nächste Wettkampf steht übrigens bereits am Samstag in Schrozberg beim HAKRO-Stadtlauf praktisch schon vor der Tür. Wenn das Teilnehmerfeld ähnlich „schlecht“ wie letztes Jahr ist, habe ich sogar Ambitionen aufs Treppchen. Doch es wird gemunkelt, dass der TSV Crailsheim mit seinen Topläufern und auch einige Topläufer aus Tauberfranken vertreten sein werden. Wenn dies der Fall ist, dann rückt das Treppchen natürlich in weite Ferne. Aber ohnehin ist mein Mindestziel für Samstag die Sub 39:00 zu knacken, alles weitere ist Zugabe.

Sport frei!
Thomas

Siehe auch:

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9 Kommentare

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    • Sven Burow on 20. Juli 2012 at 06:49
    • Antworten

    Hi Thomas,

    Glückwünsche zu der guten Zeit, ich weiss wie hart die erlaufen sind. bin ja selbst nur eine Sekunde langsamer gewesen.

    ich staune immer wieder woher du diese schönen Wettkämpfe immer herzauberst. Ich hatte dieses Jahr erst zwei und werde noch zwei laufen, Obwohl mich die 3000 m am 1.9 stark reizen würden und ich überlege mal eure Region zu besuchen und schön auf einer Bahn zu laufen…

    Was ich dir noch sagen wollte, dein Laufstil erinnert mich stark an den von Michael Johnsen!

    Grüße
    Sven

    1. Danke Sven.

      Kann ja fast nicht glauben, dass ich schneller bin als du… Wann bist du denn die 5000m gelaufen und war das auch auf der Bahn?

      Es wäre natürlich genial, mal einen Wettkampf mit dir bzw. gegen dich zu laufen. Wo wohnst du nochmal.

      Findest du wirklich meinen Laufstil kann man mit Michael Johnson vergleichen? Wenn ich mir den so ansehe, dass wirkt das auf mich irgendwie immer ein bisschen unrund…

      Sport frei!
      Thomas

        • Sven Burow on 20. Juli 2012 at 18:41
        • Antworten

        Michael Johnson läuft relativ aufrecht und leicht vorgebeugt…er benutzte kurze Schritte im Gegensatz zu Usin Bolt der ja längere Hübe benutzt schon ein anderer Stil…aber beide haben Weltrekord geholt! Wie deine Schrittfolge ist kann ich nicht vergleichen.

          • Sven Burow on 20. Juli 2012 at 18:58
          • Antworten

          achso wegen meinen 5000 m guckst du hier: http://www.facebook.com/RunningSven

    • eltrash (Ron) on 20. Juli 2012 at 06:53
    • Antworten

    Hallo Thomas, Hut ab zu dieser mal wieder herausragenden Leistung. Eine Pace unter 4 min ist schon der Wahnsinn, aber 3:39 km/min ist unglaublich. Ich versuche momentan die 4:10 zu knacken, aber nicht auf 5000m sondern auf 1000m (im Intervalltraining)

    Der Bericht ist sehr schön ausführlich und spannend geschrieben, auch die Videos sind erstklassig und vermitteln ein super Bild vom Ereignis. Man kann sich richtig in den Lauf hineinversetzen.

    Viele Erfolg morgen beim 10 km Stadtlauf. Mit einer sub39 hast du dir wieder mal ein großes Ziel gesetzt, aber so wie ich dich kenne packst du das natürlich. Ich bin sehr gespannt. Bleib bei deiner Taktik: etwas langsamer angehen lassen und dann das Feld von hinten aufräumen, das macht auf meisten Spass. Selbst Überholen motiviert mehr als überholt zu werden.

    Grüße
    RON

    P.S. Mein letzter Wettkampf war am letzten Samstag der Sudenburglauf in Magdeburg (11 km). Ziel war die sub50. Erreicht habe ich 49:57 🙂

    1. Danke Ron!

      Ja ich hab die magische Grenze von 4:00 Min pro Kilometer auch noch so im Kopf verankert, dass mit das auch unglaublich schnell vorkommt!

      Ich werde das Lob wegen dem Video an meine Frau weitergeben, die freut sich bestimmt.

      Das ich relativ konstante Rundenzeiten laufen kann, habe ich bei dem Lauf auch wieder gemerkt. Aber inzwischen sehe ich das fast schon als Schwäche und arbeite jetzt im Training mehr mit Tempowechseln. Ich möchte einfach mal zwischen drin, das Tempo verschärfen können, ohne Angst haben zu müssen, dass ich mich überlaste. Denn hätte ich in der 8 Runde auf die Läufergruppe aufgelaufen, wäre ich bestimmt 2 Plätze weiter vorne gewesen…

      Ich hoffe das Wetter am Samstag wird nicht all zu windig oder gar regnerisch…

      Sport frei!
      Thomas

    • eltrash (Ron) on 20. Juli 2012 at 07:08
    • Antworten

    Achja, beim ersten Start konnte man tatsächlich vor dem Startschuss ein kleines Zucken deinerseits feststellen, aber nur wenn man ganz genau hinschaut. Das ist aber keinesfalls ein Fehlstart, denn du überquerst ja zu früh die Startlinie.

    Und außerdem gibt es beim 1. Fehlstart auf den Langdistanzen noch keine Disqualifizierung sondern erstmal eine Verwarnung. Nur bei Sprintläufen (100,400,800m…) wird man SOFORT disqualifiziert. (Gelernt beim TV-Gucken der EM2012 in Helsinki)

    RON

      • eltrash (Ron) on 20. Juli 2012 at 07:10
      • Antworten

      Korrektur: Es muss natürlich heißen „…denn du überquerst ja NICHT zu früh die Startlinie.“
      Sorry.

      1. Also nachdem ich einen gelernten Schiedsrichter bei den Kreismeisterschaften assistieren durfte, weis ich, dass auch nur ein Zucken als Fehlstart gilt, da es die Mitläufer in den Fehlstart treibt. Das ist auf alle Fälle, bei Sprints bis 800m-Läufe so. Ob es auch hier eine andere Regelung bei 5000m gibt weis ich nicht.

        Sport frei!
        Thomas

  1. […] Jan Haberzettl war vor Ort. Gegen ihn habe den ich beim 5000m-Lauf in Ansbach beim Zielsprint das nachsehen […]

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